Blog 1: Erwartungen an das Fach Umweltmediation und Reflexion über das eigene Konfliktverhalten
Ich sah zu, wie ein Kaffeebauer in Bolivien und ein Vertreter einer NGO, welcher dabei helfen sollte, organischen Kaffee anzubauen, sich einfach nicht einigen konnten. Die technologischen Lösungen und finanziellen Mittel waren da. Einzig die Bereitschaft des Bauern fehlte, diese neue, nachhaltige Herangehensweise auf seinen Feldern einzusetzen. Aus diesem Grund habe ich das Fach Umweltmediation gewählt und möchte lernen, wie es möglich ist, nachhaltige Lösungen zu finden, ohne dass sich eine Partei benachteiligt fühlt und wie es möglich ist, Leute dazu zu motivieren, sich Neues zu getrauen.
Der Inhalt des Moduls Umweltmediation erfüllt meine
Erwartungen, weil ich Einblicke erhalte, wie eine Diskussion zwischen zwei
Parteien geleitet wird. Ich erhoffe mir, viele Strategien kennen zu lernen,
wie ein Gespräch in eine Richtung gelenkt werden kann und mit welchen Mitteln Konsensmeinungen
erreicht werden.
Schon viele Male habe ich mich gefragt, wie ich Konflikten
entgegentrete. Aus meiner Sicht versuche ich Konflikte immer dann zu vermeiden,
wenn sie keine zielführende Funktion erreichen können. Denn wenn ich mich schon
auf Diskussionen einlasse, habe ich die Erwartung, dass sich eine Lösung ergibt
und sich die Parteien eines Konfliktes nach der Aussprache wieder vertragen.
Dabei fällt mir bei genauerem Nachdenken auf, dass ich meist nur mit Personen
auf Konflikte einlasse, welche ich kenne und welche mir am Herzen liegen. Ich spreche
also an, wenn mich das Verhalten meiner besten Freundin stört, jedoch nicht,
wenn im Zug ein Mann ohne Kopfhörer laut Musik hört. Nicht, weil ich Angst vor
einem Konflikt mit dem Mann im Zug hätte, sondern weil ich die Möglichkeit nicht
sehe, die Situation nachhaltig zu ändern. Bei meiner besten Freundin jedoch ist
es mir wichtig, dass alle Differenzen beidseitig angesprochen und aus der Welt
geschafft werden. Dabei ertappe ich mich immer wieder, wie ich auch mit
Gefühlen argumentiere und während des Konflikts auch mal die sachliche Ebene
verlasse. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich in Konfliktsituationen noch
zielorientierter handle und gleichzeitig auch Konflikte zu lösen versuche,
welche mir zuvor als unnötig und nicht zielführend erschienen.
Lieber Manuel
AntwortenLöschenVielen Dank für all diese Gedanken! Du schlägst hier ja einen grossen Bogen von den NGO Konflikten bis zu Deiner besten Freundin.
Ich bin etwas über das 'Gespräch in eine Richtung lenken' gestolpert. Das macht man als Mediator nur insofern, dass man versucht, beide Parteien genügend zu Wort zu kommen. Sonst lenkt man als Mediator ja möglichst nicht in Richtung einer Lösung, sondern lässt die Parteien die selbst erarbeiten. Aber vielleicht habe ich das falsch verstanden?
Interessant finde ich, wie genau Du überlegst, mit wem Du Konflikte hast und Dir überlegst, was Zielführend ist. 'Pick your fights' heisst das wohl. Ich denke, dass dies bereits ein guter Ansatz ist. Wir kommen beim Harvard Konzept darauf - da nennt sich das BATNA - die beste alternative zu einem gelösten Konflikt. Deine Methode wird also auch von Profis so angewendet!
Liebe Grüsse, Petra
Liebe Petra
LöschenDanke für deinen Kommentar und die Inputs über die Theorien. Du hast recht, "in eine Richtung lenken" sollte nicht via Mediator geschehen. Bin gespannt, ob mir das gelingt, nicht Einfluss zu nehmen als neutrale Person :)
Liebe Grüsse Manuel
Hey Manuel
AntwortenLöschenDanke dir für deinen Beitrag - sehr spannend!
Hast du bei dem Konflikt in Bolivien interveniert oder hättest es gerne getan oder dich nicht getraut, da du nicht genau wusstest wie vorgehen?
Dass die Parteien die Lösungen selber erarbeiten sollen und der Mediator sie nur dazuhinführt ohne selber Ratschläge oder Ideen reinbringt, finde ich auch eine spannende Herausforderung. Ich hoffe das wir da immer mehr Erfahrungen machen können.
Liebe Grüsse, Alissa
Hoi Manuel
AntwortenLöschenDanke für den Einblick!
Ich finde es spannend, dass du sagst, du lässt dich nur auf Konflikte ein mit Personen, die dir etwas bedeuten und wo es dir wichtig ist, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Das finde ich eine gute Lösung auch um Energie und Nerven zu sparen. Leider ist es wohl aber nicht immer möglich.
Ich freue mich auf die weiteren Austausche mit dir.
Liebs Grüessli, Nerina
Lieber Manuel
AntwortenLöschenVielen Dank für Deinen Beitrag. Ich finde es spannend, dass Du dich besonders für Konflikte interessierst, die zielführend scheinen und Dich dann von jenen die es nicht sind auch distanzieren kannst. Ich persönlich habe oft Diskussionen, wo es scheint man dreht sich endlos im Kreis...Manchmal finde ich aber dass diese trotzdem hilfreich sein können, wenn der Austausch und andere Ansichten kennenzulernen das Ziel sind. Es scheint, dass Du Konflikte mit Personen, die Dir wichtig sind direkt ansprichst, das finde ich sehr bewundernswert, dann staut sich auch nichts auf.
Liebe Grüsse
Antonia